Donnerstag, 7. März 2013

Meine lieben Kollegen

Dies ist ja ein vegantropologischer Blog.
Bisher habe ich aber der antropologischen Sicht des veganen Themas noch relativ wenig Zeit gewidmet.

Nun möchte ich mal in lockerem Plauderton davon berichten, wie mein direktes Umfeld bisher auf meine veganen Bestrebungen reagiert hat.

An erster Stelle mein Lieblingsmensch, der all meine Experimente und Veränderungen erträgt und sogar fast immer bereit ist meine neu kreiierten Gerichte zu kosten.
Und der mir auch immer ehrliches Feedback von "lecker" (meine Spaghetti Smokey mit Räuchertofu und Hafersahne) bis "ungenießbar" (meine mißglückten Schokomuffins) gibt.
Er läßt mich schalten und walten, versuchen und ausprobieren, solange seine Nahrung, die doch einiges an fleischigen Bestandteilen enthält mit meinem Tofu im Kühlschrank koexistieren darf. Und so liegt bei uns die Salami neben dem Räuchertofu. Die Vanille-Soja-Milch steht neben der Kuhmilch. Der vegetarische Brotaufstrich neben dem Frischkäse. Die Alsan steht auf der Butter.

Die nächste Menschengruppe, mit der ich mich am meisten in Kontakt befinde sind meine Kollegen.

Die Jungs 
Mein erstes "Coming-Out" hatte ich bei einem auswärtigen Mittgessen mit meinem Schreibtischnachbar und meinem ehemaligen Schreibtischnachbarn.
Beide haben erstaunlich lässig und interessiert reagiert. Es kam ein gutes Gespräch zu dem Thema vegetarisch/vegane Ernährung zustande.
Und der Austausch hält auch bis heute an. Als mir gestern nach der Mittagspause ein Ü-Ei angeboten wurde, das ich dankend ablehnte, fiel dem Kollegen auch gleich ein "ach stimmt, da ist ja Milch drin. Da denkt man gar nicht dran, wo überall tierisches drin ist." Aber ohne jegliche Abwertung oder sonstiges.
Das ist umso erstaunlicher wenn man den sonstigen Umgangston kennt, der in unseren Büros herrscht.
Ich nenne es mal einen "augenzwinkernden Baustellen-Ghetto-Slang". 
Vielleicht kann ich irgendann mal einen heimlichen Ton-Mitschnitt machen, wenn wir am Tischkicker sind. Kein Mensch, der das je gehört hat, würde glauben, daß es sich um erwachsene, zivilisierte Menschen handelt. 

Die Mädels
Dann gibt es noch eine Gruppe von Kolleginnen (drei an der Zahl) mit denen ich häufiger mal die Mittagspause verbringe. Eine ist Vegetarierin, eine Pescetarierin und eine ißt alles.
Interessanterweise haben die Damen wesentlich skeptischer reagiert als meine männlichen Kollegen. Da kamen auch weniger Fragen nach den Gründen oder dem ethischen Aspekt, sondern da ging es eher in das klassisch, mitleidige "Was isst du dann überhaupt noch? Was legst du dir auf dein Brot?"
Auch nach einer langen Aufzählung von Speisalternativen, blieb die Skepsis bei der Omnivorin und der Pescetarierin deutlich spürbar.
Lediglich mit meiner vegetarischen Kollegin konnte ich mich noch wunderbar über verschiedene Tofu-Geschichten, Quinoa und Amaranth, Soja-Milch und weiteres austauschen.

Eine weitere Kollegin, der ich beim gemeinsamen Mittagessen davon berichtete, weshalb ich neulich ihre selbstgebackenen Muffins verschmäht habe, reagierte interessiert und es entwickelte sich ein guten Gespräch über alle möglichen Ernährungsformen. 

Spannend!

Hätte ich vorher raten müssen, hätte ich mit genau umgekehrten Verhalten gerechnet.
Die Jungs haben ein aufrichtigeres Interesse. Man merkt, dass sie über diese Themen nachdenken, denn es kommen immer wieder fragen á la "aber wenn jetzt dein Nachbar Hühner hätte, denen es blendend geht und wo keines leiden muß, würdest du dann.... ".

Ich finde das besonders spannend, da mich diese Fragen ja auch immer wieder dazu bringen mich selbst zu hinterfragen und meine Grenzen zu eruieren.

Wobei dies ja nur eine kleine Auswahl an Testkandidaten war, die noch kein repräsentatives, allgemeingültiges Fazit zulassen.

 Die Reaktion der Mädels hat mir ein wenig Aufschwung gegeben um mir wieder mehr Mühe bei der Vorbereitung meines Mittagessens zu geben. Ich will schließlich zeigen, dass vegan lecker und hübsch sein kann!

Aussderdem möchte ich mit euch noch etwas teilen. Einen von mir sehr geschätzten Künstler: Hagen Rether  
Grandios! Ich durfte ihn schon zweimal live sehen.
Er findet mal wieder wunderbare Worte für die seltsame Welt in der wir leben, hinterlegt mit zarter Klaviermusik.


Viel spaß und frohes Nachdenken!




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